Dein schlechtes Gewissen

 

 

Wir haben ständig ein schlechtes Gewissen, wenn es um unsere Hunde geht.  Dadurch kommen wir in einen Teufelskreis, wenn es um die Erziehung unserer Hunde geht. Wie oft haben wir vermeintlich zu wenig Zeit?

Vermeintlich deswegen, weil Hunde relativ schnell und einfach zufrieden zu stellen sind. Vermeintlich deshalb, weil unser schlechtes Gewissen, geprägt von Artikeln in Hundezeitschriften, TV-Hundesendungen und vor allem Informationen aus Facebook, eine Vorlage erhält die wir so nicht bedienen können und auch nicht wollen. Wer aber ein schlechtes Gewissen hat, kann in der Erziehung die einmal gesetzten Grenzen nicht wirklich wahren.

 

Sind Grenzen für unsere Hunde nicht verständlich, werden sie überschritten. Immer und immer wieder, immer wieder und wieder – bis wir explodieren.

Dann auf einmal wird ein Hundetrainer kontaktiert, der mal eben alles regeln soll, was wir nicht zu regeln imstande sind, weil wir ein schlechtes Gewissen haben.

 

Unsere Weichheit, unsere Nachgiebigkeit entsteht nicht selten aus einem schlechten Gewissen und dieses soll uns der Hundetrainer bitte ausreden.

Ich komme oft zu Kunden, die sich von mir bestätigen lassen, dass sie wirklich kein schlechtes Gewissen haben müssen, wenn sie gewisse Regeln einfach nur einfordern, ohne „Wenn und Aber“.

 

Als Wiedergutmachung unseres schlechten Gewissens werden Hunde nicht selten, wie manche Kinder auch, mit Materiellem oder Köstlichkeiten überschüttet. Liebe geht da eher durch den Magen, statt eigene Präsenz zu zeigen durch aktives Einbringen in die Beziehung und damit auch glaubhaft werden.

 

Liebevolle, artgerechte und nicht führungslose Erziehung gelingt, wenn wir unseren eigenen Verstand wieder nutzen, wenn wir selbst beobachten, wenn wir selbst Wissenschaftler unseres eigenen Hundes werden. Sich nicht von anderen (auch selbsternannten) Fachleuten sagen lassen, wie unser Hund zu funktionieren hat.

 

Statt das schwerverdiente Geld, dass wir für einen Trainer ausgeben, lieber weniger arbeiten und die gewonnen Zeit dann für die Arbeit mit dem eigenen Hund nutzen und darüber auch den eigenen Hund besser kennen zu lernen.

 

Der Leidensdruck, den viele Hundehalter unterliegen verführt zu schnellen Lösungen, die uns in den Medien immer vorgegaukelt werden. Da wird mal schnell die Wasserflasche rausgeholt und schon stellt der Hund jenes Verhalten ein, dass im Moment so gar nicht ins Konzept passt. Aber dass jedes Verhalten einen Grund, eine Ursache hat, dass wird in den Medien galant verschwiegen. Hier zählen nur schnelle Lösungen um die Einschaltquoten zu sichern. Und auch Empfehlungen dieser Sendungen musste ich mir schon anhören: „da haben die super Tipps, das geht ratz-fatz“. ?  

 

Last euch im Erziehungsalltag nichts vorschreiben. Denn jeder Hund ist anders, jeder Mensch ist anders jede Familie ist anders, es gibt keine allgemeingültigen Regeln, die dafür gelten können. Darum sind allgemeine Erziehungsratgeber, die Rat-Schläge erteilen nicht angebracht.

 

 


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