Denken  das eigentliche Problem?

 

                                

Wäre ich ein Hund mit dem Verstand eines Menschen –

Dann hätte ich es wirklich schwer.

Ich würde mir viele Fragen stellen.

Fragen, weil ich nicht verstehe.

Nicht verstehe, warum mein Zweibeiner, da oben am anderen Ende der Leine sich so verhält wie er sich verhält.

Ständig macht er sich Gedanken darüber, warum ich mich so verhalte wie ich mich verhalte.

Ständig unterhält er sich mit anderen Zweibeinern, über mich oder über andere Hunde.

Ständig fragt er sich wieso, weshalb warum?

Ich frag mich – WARUM?

Gibt’s nicht eigentlich genug zu tun im Leben eines Menschen auch ohne, dass er ständig darüber nachdenkt. Die Zeit des Denkens könnte er, also der Zweibeiner doch einfach nutzen, mit mir herum zu tollen. Also sich zu bewegen.  Das macht Spaß, das ist gesund und macht glücklich. ? Denn dann sehe ich meinen Menschen auch mal lachen, was leider sehr selten vorkommt. Dieses viele Denken scheint meinen Zweibeiner nicht glücklich zu machen. 

Er könnte so viel von mir lernen. Ich geh raus, wenn Herrchen mich lässt, und schaue, was bietet mir die Welt gerade. Was gibt’s zu entdecken und was könnte mein Interesse wecken. Und glaubt mir, Vieles weckt mein Interesse.

Und damit habe ich schon wieder ein Problem, denn der Zweibeiner hat ein Problem damit, dass mich die Welt interessiert, so wie sie ist. Ständig reißt er an der Leine, redet sich den Mund fusselig, nervt mich mit seiner ständigen fragerei, „was machst du da“ und „wo willst du hin“ usw.

Wenn ich meinen Zweibeiner doch endlich mal verständlich machen könnte, wie schön die Welt doch ist, wie sie ist. Jeder Grashalm kann so spannend riechen und wertvolle Informationen vermitteln. Ja, ich weiß, diese Menschen können nicht riechen.

Schade eigentlich. Ob ich das meinen Menschen beibringen kann? Die Welt mit meinen Augen, mit meiner Nase und aus meiner Sicht zu sehen? Einfach so wie sie ist?

Ohne Vorgaben vom Hundetrainer oder von der Hundeschule was wir alles so tun und lassen sollten. Ohne das Wissen wieso weshalb und warum wir etwas tun dürfen und wir etwas nicht tun sollten. Diese ganzen Lerntheorien, so scheint mir, versteht Frauchen nicht als Theorien, sondern sie meint wohl, dass es das wahre Leben ist.

Ich würde graue Haare bekommen, wenn ich über das Verhalten meines Menschen so nachdenken könnte wie es mein Halter über mein Verhalten tut. Ich würde ernsthaft psychisch erkranken, wenn ich über das Für und Wider der ganzen scheinbar notwendigen Erziehung Gedanken machen würde. Ich würde in die Klinik eingewiesen werden, wegen Verhaltensstörungen, wenn ich darüber nachdenken würde, wie sehr mein eigentliches Leben eingeschränkt wäre und alles andere als artgerecht.

Aber ich beherrsche die Kunst im Hier und jetzt zu sein. Ich beherrsche die Kunst, mich auf das einzulassen, was gerade da ist. Auch wenn´s nur mein Schlafplatz ist. Dann entspanne ich und verarbeite das Fressen oder das gerade erlebte.

Es könnte alles so schön sein. ?

Morgens aufstehen, sich einfach aufeinander freuen, Fressen, Gassi gehen, schlafen, miteinander beobachten und aufeinander reagieren. Und einfach schauen, wohin uns das Leben treibt. Hauptsache zusammen sein.

Nein, mir wird nicht langweilig, wenn wir täglich die gleiche Runde gehen. Denn ich entdecke auf meiner morgendlichen Tour immer wieder neue und spannende Gerüche. Ich merke sofort, wenn sich da etwas verändert hat. Ich weiß genau wer sich in meinem Revier aufhält und ich habe viel damit zu tun, meine Marken zu hinterlassen damit die anderen, die sich da auch aufhalten wissen, dass alles Meines ist. ?

Wenn ich Mensch wäre würde ich Depressiv werden, bei so vielen Einschränkungen, die mir das Leben mitgibt, weil es die vermeintliche Ordnung eines Hundes gibt.

Hund haben dies zu tun, Hunde haben jenes zu lassen. Hunde müssen, sollen, dürfen, brauchen …  ne müssen sie nicht. Lasst uns einfach mal in Ruhe unser Ding machen. Macht mal die Augen auf, lernt doch einfach al durch beobachten. Denn leider haben wir nicht die Worte, die wir bräuchten, um euch verständlich zu machen, was uns gefällt, was wir wirklich gerne hätten. 

Und – ich bin froh, kein Mensch zu sein, ich möchte nicht in deren Haut stecken. Ich denke nicht darüber nach, soll ich das Leckerchen nehmen oder nicht. Gedanken wie „ich könnte zunehmen“ oder „das könnte ungesund sein“, kenne ich nicht. Dafür habe ich keine Zeit, denn das Leben ist allgegenwärtig und ich will es auch sein, um alles mitzubekommen, was das Leben Lebenswert macht.

Wenn ich zum Beispiel eine Stelle entdecke, die hervorragend riecht. Dann schmeiß ich mich voller Wonne hinein, und ich würde sagen: ach wie geil ist das denn? ? NEIN – ich frage nicht, „wie sehe ich dann aus“ oder „was sollen meine Nachbarn sagen“ oder „wie finden die anderen mich dann“?

Nein, es ist JETZT schön und JETZT tu ich es.

Denken scheint also das eigentliche Problem des Menschen zu sein. 

 

 

 


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